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Konzert
La Violette in Wien
Oberstdorfer Musiksommer 
(19. Internationales Klassikfestival im Allgäu vom 28.7 bis 18.8.2011)
Von Bettina Buhl, 17.8.2011

Wo Mauerblümchen leuchten
Das „Trio Imperial“ holt Viola, Gitarre und Akkordeon aus dem Orchesterschatten und begeistert im Casino Kleinwalsertal mit gekonnt gesetzten Arrangements

 RIEZLERN – Von wegen armes, kleines Mauerblümchen! Was diese drei Damen im Casino Kleinwalsertal in Riezlern von sich geben, muss sich auf keinen Fall verstecken oder ein trostloses Dasein im großen Orchesterschatten führen. Das „Trio Imperial“ hat sich mit seinem Programm „La Violette in Wien“ den sogenannten Mauerblümchen des Orchesters angenommen und lässt die selten solistisch auftrumpfenden Instrumente Viola, Gitarre und Akkordeon hochleben. Das Resultat? Ein fulminantes, unterhaltsames Konzert, das sich hören lassen kann.
Wie wäre es denn mit entspanntem Flanieren an der Seine? Ein feuriger Tango in den Abendstunden auf den Straßen von Buenos Aires, wenn der Teer der Straßen die letzten Sonnenstrahlen noch aufsaugt? Oder einfach mit einem kleinen Mokka innehalten in einem der vielen Kaffeehäuser Wiens? Kein Problem für das „Trio Imperial“, das mit einem liebevoll ausgewählten Repertoire seine Zuhörer auf eine musikalische Reise mitnimmt.
Egal, ob im beschwingten Walzer „La Bourrasque-Mousette“, mit Astar Piazzollas „Libertango“ oder in Rudolf Sieczynskis Liebeserklärung an Österreichs Hauptstadt: Verena Schmidt-Wittmann (Violine/Viola), Barbara Lechner (Gitarre) und Dorrit Bauerecker (Akkordeon/Klavier) überzeugen stets mit Virtuosität und einer Spielfreude, die bis in die letzten Reihen zu spüren ist. Dabei schaffen sie es auch, einen diffizilen Bogen von der klassischen E-Musik hin zur U-Musik zu spannen und gestalten sowohl instrumental als auch mit versiertem Gesang einen unterhaltsamen Abend. Zwischendurch erheitern sie die Zuhörer mit Gedichten von Erich Kästner bis zu Henrik Ibsen.
Eine besondere Glanzleistung steckt in den gekonnt gesetzten Arrangements, schließlich sei Originalnotenmaterial für eine derartige Triobesetzung schwer zu finden, wie Gitarristin Barbara Lechner anmerkt. So wird eben aus der ersten Geige schnell einmal eine Gitarrenstimme, das Horn verwandelt sich in die Viola und das restliche Orchester wird einfach in ein Akkordeon gesteckt. Dabei zeigen die drei auch einen sehr verschmitzten Humor. In Mozarts „Rondo alla turca“ blitzt unvermittelt das Thema der „Muppet Show“ auf, und mit typischem Wiener Schmäh tragen die drei ihr Geheimrezept dafür vor, wenn es einmal mit der Liebe nicht so klappt: „Schütt’ die Sorgen in ein Gläschen Wein“, ganz nach Willi Schneider.
Verena Schmidt-Wittmann, Barbara Lechner und Dorrit Bauerecker sind zwar im Oberstdorfer Musiksommer längst keine Unbekannten mehr, doch in dieser Triobesetzung bringen sie nicht nur ihre Mauerblümchen zum Strahlen, sondern fügen dem Klassikfestival nochmals einen Glanzpunkt hinzu. So bleibt nur noch nach Ingo Baumgartner zu sagen: „Erspäht dein Aug’ beim Sonntagswandern ein Mauerblümchen an der Wand, verweile und erzähl’ den andern vom Herkules im Schlichtgewand.“   

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